Lieferantenselbstauskunft: Inhalt, Vorlage und Bewertung
Die Lieferantenselbstauskunft ist der erste Schritt bei der Auswahl neuer Lieferanten: Der Lieferant beschreibt sein Unternehmen, sein QM-System und seine Fähigkeiten selbst. Richtig aufgebaut zeigt sie früh, wo ein Audit nötig ist und wo nicht.
Typischer Inhalt
- Unternehmensdaten: Standorte, Mitarbeiter, Umsatz, Hauptkunden, Eigentümer.
- Zertifikate: ISO 9001, IATF 16949, ISO 14001, ISO 45001, gültig bis.
- Entwicklung und Projektmanagement: APQP, FMEA, Bemusterung (PPAP / PPF).
- Produktion: Maschinenpark, Kapazität, Prozessfähigkeit, Wartung.
- Messtechnik und Labor: Messmittelüberwachung, MSA, Kalibrierung.
- Lieferantenmanagement und Logistik: Unterlieferanten, Rückverfolgbarkeit, Notfallpläne.
Bewerten statt nur abheften
Eine Selbstauskunft wird erst nützlich, wenn jede Antwort bewertet wird, zum Beispiel von 0 (nicht vorhanden) bis 4 (wirksam und nachgewiesen). Daraus ergibt sich je Bereich ein Prozentwert und ein Profil im Netzdiagramm. Kritische Fragen, etwa fehlende Rückverfolgbarkeit, sollten unabhängig vom Gesamtergebnis zu einem Audit führen.
Risikoklassen
| Ergebnis | Typische Folge |
|---|---|
| A: ab 85 %, jeder Bereich ab 70 % | Geringes Risiko, Freigabe, Überwachung über Kennzahlen |
| B: 70 bis 85 % oder ein Bereich unter 70 % | Mittleres Risiko, Freigabe mit Maßnahmenplan |
| C: unter 70 % oder kritische Frage mit 0 | Hohes Risiko, keine Freigabe ohne Maßnahmen, Audit vor Ort |
Nach der Freigabe
Die Selbstauskunft ersetzt kein Prozessaudit. Nach der Freigabe zählen die Lieferleistung (ppm, Liefertreue) und bei Problemen ein Prozessaudit nach VDA 6.3. Die Selbstauskunft sollte alle zwei bis drei Jahre aktualisiert werden.
Häufige Fragen
Ist die Lieferantenselbstauskunft Pflicht?
Keine Norm schreibt das Formular vor, aber ISO 9001 (8.4) und IATF 16949 (8.4.1.2) verlangen Kriterien für Auswahl und Bewertung externer Anbieter. Die Selbstauskunft ist dafür der übliche erste Nachweis.
Wie viele Fragen sind sinnvoll?
Etwa 30 bis 50 Fragen in sechs Bereichen. Mehr Fragen erhöhen den Aufwand für beide Seiten, ohne die Aussage deutlich zu verbessern.